Die Geschichte des Gasthauses
Der Stadtteil Hahn liegt in der geographischen Mitte Taunussteins, und mitten in Hahn liegt das Gasthaus "Zum Taunus" oder schlicht und einfach der "Taunus", wie das Anwesen liebevoll genannt wird.
Über den autofreien Peter-Nikolaus-Platz - benannt nach dem 1990 bei einem Skiunfall tödlich verunglückten langjährigen Bürgermeister - und entlang der Kirche Sankt Johannes und Nepomuk gelangt man sicheren Fußes in das Gartenlokal des "Taunus".
"Das Ganze ist als durchgehender Komplex angelegt", erläutern Ingrid und Werner Schäfer, die seit 1991 Pächter des "Taunus" sind. Mit dem der Gaststätte angegliederten Saalbau verfügt Taunusstein über eine vielseitig nutzbare Begegnungsstätte. 1858 stellte die Familie Blerod aus Neuhof den Antrag auf Errichtung einer Gaststätte. Im September 1859 ist die erste Tanzveranstaltung in dem Anwesen mit seinem markanten Fachwerkoberbau und einer weithin sichtbaren spitzgiebligen Dachsilhouette vermerkt.
Damit begann die lange Tradition des "Taunus" als kultureller Mittelpunkt des heutigen Taunusstein. Seinen endgültigen Aufschwung nahm der Betrieb, als die 1889 in Betrieb genommene Aartalbahn von Wiesbaden nach Bad Schwalbach über die "Eiserne Hand" und Hahn geführt wurde. Entscheidenden Anteil hieran hatte der damalige "Taunus"-Wirt Philipp Ohlemacher, der von 1887 bis 1893 auch Bürgermeister von Hahn war.
Bereits 1888 war das ursprüngliche Gebäude erweitert worden. Wann indes der große Saalbau errichtet wurde, ist kurioserweise bereits nach etwas hundert Jahren nicht mehr zweifelsfrei festzustellen.
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In jedem Falle begann mit dem Saal die Blütezeit des "Taunus". Feuerwehrfeste, Kerbefeiern, Theateraufführungen, Sängerwettstreite - das Leben pulsierte an der Scheidertalstraße:
Nach dem Krieg wurde an die Gaststätte ein Wohnhaus angebaut. Auch wurde der "Taunus" um die erste Drogerie des Ortes erweitert. Und doch hatte zum damaligen Zeitpunkt der Niedergang des "Taunus" bereits begonnen. Ab 1962 konnten aus baulichen Gründen keine Veranstaltungen mehr im Saalbau stattfinden, 1963 wurde der Saal an die "Taunus-Film" vermietet, die das Gebäude vor allem als Requisitenlager nutzte.
Als 1979 - unter Bürgermeister Peter Nikolaus - der Rathausneubau sowie die Errichtung eines Bürgerhauses spruchreif wurden, stand sogar der Totalabriß des alten Gasthauses zur Debatte. Dass es nicht dazu kam, ist nicht zuletzt der Jugendstil-Deckenmalerei im Saalbau zu verdanken. Von einem unbekannten Wandergesellen auf der Durchreise angefertigt, gilt sie gerade wegen ihrer offenkundigen Naivität als in Hessen einmalig. Nebenbei liefert sie - wie auch das in ähnlichem Stil gehaltene Portal am Eingang zum Saal - den Beleg dafür, dass der Saal tatsächlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein muss. Da die Anlage auch als Ensemble aus Gaststätte und Gartenlokal ein bedeutendes Bauzeugnis darstellt, hatten Denkmalschützer sowie ein eigens gegründeter "Freundeskreis" genügend Argumente zur Hand, um den Abriß zu verhindern. 1987 wurde der renovierte "Taunus" wiedereröffnet, 1989 gesellte sich das an den Saal angebaute neue Bürgerhaus hinzu.
Die Schäfers servieren ihren Gästen gehobene bürgerliche Küche in gemütlichem Ambiente. Darüber hinaus ist der "Taunus" für seine Spezialitätenwochen weit über die Taunussteiner Grenzen bekannt.
Bis heute ist über alle Wirren der Geschichte ein Zeuge aus der Frühzeit des "Taunus" erhalten geblieben: Die alte Esche, die im Zentrum des Gartenlokals steht. Werner Schäfer vermutet, dass sie um 1870 gepflanzt worden ist. Genau weiß allerdings auch das bereits niemand mehr.
Seit dem plötzlichen Tod von Werner Schäfer im Jahre 2001 führen Ingrid Schönberger-Schäfer und Ihre Söhne Sven und Holger den Betrieb fort.